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Von Müttern, Mitbewohnern und Möbelpflege

by Tjark Boons in Haushalt

Nun war es wieder einmal soweit: Meine Eltern hatten sich für das Wochenende angekündigt. Damit es niemand falsch verstehe: ich mag die beiden sehr gerne und freue mich jedes Mal darauf, dass sie mich besuchen. Trotzdem treibt die bloße Ankündigung stets meinen Blutdruck in die Höhe. Warum? Nun ja, das liegt wohl im Wesentlichen an den sehr unterschiedlichen Ansprüchen bezüglich Sauberkeit und Reinlichkeit in der Wohnung. Nicht dass es bei mir schmutzig wäre, im Vergleich zu anderen Wohngemeinschaften ist unsere WG sehr gut organisiert und aufgeräumt – dachte ich jedenfalls.

Sobald meine Mutter jedoch dieses “Chaos“ sieht, scheint sie, einem Reflex folgend, aus ihrem schier unerschöpflichen Fundus an praktischen Haushaltstipps einen nach dem anderen zum Besten zu geben. Man muss meine Mutter nicht unbedingt fragen, um herauszubekommen, wie man Flecken aus Polstern entfernt oder das Spülbecken auf Hochglanz bringt. Einer meiner Mitbewohner hat vom Flohmarkt altes Silberbesteck gekauft – meine Mutter schenkte ihm den passenden Silberreiniger und gab ihm eine ausführliche Unterweisung, wie man Silber reinigen und pflegen sollte.
Die Möbelpflege ist scheinbar ihr Steckenpferd, wird sie doch jedes Mal aufs Neue nicht müde, mich auch auf die kleinsten Mängel hinzuweisen. Selbstverständlich folgt danach mindestens ein Tipp, wie diese zu beseitigen sind.

„Da sind ja Kratzer im Furnier. Rubbel da mal mit einer halben Haselnuss drüber!“
„Der Tisch ist ja ganz stumpf. Wisch den mal mit Schwarztee ab!“
„Igitt, diese Wasserränder, da muss ein bisschen Bienenwachs drauf und dann mit dem Fön drüber!“
So sprudelt es aus meiner Mutter heraus. Mittlerweile weiß ich um ihre Angewohnheit und dennoch bin ich stets erstaunt, wenn ich ihrem Ratschlag folge und wieder einmal feststellen darf, dass sie damit genau richtig lag.

Deshalb also steigt meine Nervosität, wenn meine Eltern sich ankündigen. Ich versuche, mir alle Tipps in Erinnerung zu rufen und vor allem meine Möbel optimal zu pflegen. Doch egal was ich tue, meine Mutter ist mir in der Möbelpflege Jahrzehnte voraus und hat mit hoher Wahrscheinlichkeit einen weiteren, mir bislang unbekannten Trick parat. Mit der Zeit habe ich gelernt, diese Zusatzausbildung zum Möbelpfleger als Bereicherung zu verstehen. Unter der professionellen Anleitung meiner Mutter werde ich nach und nach zur Meisterschaft aufsteigen. Langsam kann ich sogar ihren Eifer verstehen, ertappe ich mich doch mittlerweile des Öfteren dabei, wie ich Freunde und Bekannte auf Mängel an deren Möbeln hinweise, um nur einige Momente später aus unserem Familienfundus gut gemeinte Tipps zur Möbelpflege weiterzugeben. Ich glaube allerdings bemerkt zu haben, dass manchmal der Blutdruck steigt, wenn ich mich in meinem Bekanntenkreis für einen Besuch ankündige…

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